Locals vs Corona: Das Land in der Krise?

Corona unterscheidet nicht zwischen den Menschenkennt keine Grenzen und keine BranchenWie sind Unternehmer, Dienstleister, Künstler, Einzelhändler, Arztpraxen & Co von der aktuellen Situation betroffen? Und was ist ihr #CoronaPlan? Wir haben nachgefragt! 

Mit #LocalsVsCorona vernetzen sich Unternehmen und Selbstständige aus der Region und fördern so den Zusammenhalt, damit keiner während der Krise auf der Strecke bleibt. Jeder ist betroffen und jeder hat seine ganz persönliche Geschichte und einen eigenen Plan, wie wir alle Corona unbeschadet überstehen können.

#SPREAD LOVE – NOT THE VIRUS. Hol Dir hier die stylischen Masken-Sets mit eingestickter Botschaft!

Oberbürger­meister Johannes Arnold

Von Flensburg bis Garmisch, alle Städte und Kommunen sind von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Das kleine Städtchen Ettlingen hat schon früh strengere Regelungen erlassen, ausgearbeitet von Oberbürgermeister Johannes Arnold und seinem Team. Keine einfachen Tage. „Ich glaube, so eine Ausnahmesituation wünscht sich kein Amtsträger. Zu Beginn der Krise hat der Krisenstab täglich mehrere Stunden getagt“, so der OB. „Die Gedanken darüber, was noch kommt und wie es weiter geht, begleiteten mich rund um die Uhr. Aber bei all den Sorgen hat mir die Krisenzeit auch gezeigt, dass das Engagement von allen sehr hoch ist und wir in solchen Situationen schnell und gut reagieren können!“ Die Krise mit all ihren Beschränkungen hat Ettlingen nicht gänzlich unvorbereitet getroffen, erklärt Johannes Arnold. „Wir haben alles getan, um für den Krisenfall vorbereitet zu sein. Ich habe bereits Anfang März den Krisenstab einberufen und wir haben in diesem Rahmen verschiedenste Szenarien und Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsbereiche der Stadt durchgespielt“, so Arnold weiter. „Wir haben zu jeder Zeit und mit jeder neuen Entwicklung schnell reagiert – teilweise sogar vor der Landesregierung!“ Dennoch bleibt der Shutdown nicht ohne Folgen: „Wenn man aktuell die Innenstadt und die Parks beobachtet, sieht man, welcher Schatten auf der Stadt liegt“, sagt OB Johannes Arnold. „Wir können nur hoffen, dass die Betreiber, ob Gastronomie oder Einzelhandel, es schaffen, die Zeit zu nutzen und sich für die Zukunft aufzustellen!“

Simon Pierro

So ernst die Lage auch ist, Lachen tut einfach gut, ist gut fürs Herz und lenkt uns von den Alltagssorgen ab. Der wohl weltbeste iPad-Zauberer Simon Pierro versorgt uns daher mit lustigen und vor allem beeindruckenden Zauber-Videos – mit einem ganz normalen iPad. „Als Bühnenkünstler hat die Krise von heute auf morgen ihre Wirkung gezeigt. Innerhalb kürzester Zeit wurden fast alle Shows der nächsten sechs Monate abgesagt“, sagt der Zauberer. Er könne das überleben, so Pierro. „Ich habe schon zehn erfolgreiche Jahre hinter mir, aber diesen ‚Luxus‘ kann sich nicht jeder leisten, wenn die Auftragslage wegbricht!“ Seine Idee, um die Menschen abzulenken – und auch, um nicht in Langeweile zu verfallen: Zaubern im Homeoffice. „Vom ersten Tag an habe ich begonnen, Videos in meinem Wohnzimmer zu drehen, in denen ich Zaubertricks passend zur Quarantäne-Situation vorführe“, erklärt iPad-Zauberer Simon Pierro. „Ich habe beispielsweise aus meinem iPad Toilettenpapier-Rollen gezaubert oder eine App entwickelt, mit der man sich scheinbar die Hände waschen kann.“ Das kommt so gut an, dass meine Beiträge bereits in Jan Josef Liefers neuem ARD-Format gezeigt wurden und sich Pro7 während des großen ‚Wohnzimmer-Festivals‘ live zu mir nach Hause geschaltet hat!“ Das Schönste an seinem Beruf in dieser schweren Zeit: „Mich erreichen täglich Dutzende Nachrichten von Leuten, die sich alle bedanken, dass ich sie in dieser Lage regelmäßig zum Staunen bringe. Das macht mir dann noch mehr Freude!“, sagt Simon Pierro.

Laura Siegemund

Wimbledon ist auf 2021 verschoben! Das traditionsreichste Turnier der Tenniswelt fiel bisher seit seiner Premiere 1877 lediglich während der zwei Weltkriege aus. Seit 1946 gab es bisher keine weitere Unterbrechung. Die Sportwelt steht still: Viele große Turniere finden in diesem Jahr nicht statt. Laura Siegemund, Tennisprofi, ist dadurch zum „Homeoffice“ verdonnert. Sie weilt mit ihrem Lebensgefährten derzeit in den USA. „Von der Corona-Krise wurden wir zwar nicht unbedingt kalt erwischt, denn es war absehbar, dass das Virus auch in Amerika ankommen wird. Allerdings war mir nicht von vorn herein bewusst, wie drastisch die Einschränkungen weltweit sein und wie lange sie andauern würden. Dennoch kann ich gut mit der Situation umgehen und kann für mich sagen, bisher das Bestmögliche aus dieser Zwangspause für mich zu machen“, so die Wimbledon-Teilnehmerin, die auch schon für den TC Rüppurr auf dem Platz stand. Seit Mitte März ist Siegemund nun in den USA, dort will sie abwarten, bis sich die Lage auch in Deutschland wieder entspannt hat. Der Vorteil: Hier kann sie trotz Shutdown weiterhin trainieren. „Das Training läuft mehr oder weniger normal – auf einem Privatplatz und in einem privaten Fitnessraum oder im Freien. So kann ich diese Zeit super für mich nutzen. Allerdings alles im Rahmen von ‚social distancing‘, also das ganze Training ausschließlich mit meinem Freund und ohne Kontakt zu anderen Leuten, sicherheitshalber.“ Die „Freizeit“ nutzt Laura Siegemund zudem für Projekte, die liegengeblieben sind. „Ich mache jetzt wieder Yoga. Außerdem habe ich angefangen, ein Buch zu schreiben“, verrät die Tennisspielerin. Und die Zukunft? „Wie es mit der restlichen Saison für uns Tennisprofis weitergeht, ist völlig ungewiss. Es bleibt momentan nur, das Beste aus der frei gewordenen Zeit zu machen“, sagt Siegemund. Der Shutdown und die Entfernung zwischen Amerika und Deutschland macht ihr dennoch zu schaffen. „Ich toure im normalen Alltag sowieso das ganze Jahr um die Welt und habe nur sehr wenig Zeit mit meiner Familie zuhause. Es wäre schön, die durch Corona frei gewordene Zeit jetzt wenigstens auch entsprechend mit der Familie teilen zu können“, sagt Laura Siegemund. „Mit Freunden und Familie gemütlich zusammenzusitzen, gemeinsam essen und Zeit zu verbringen – nicht auf virtuellen Plattformen, sondern ‚in Echt‘, das wäre für mich jetzt das Schönste!“

Tanja Hammer

Fitnessstudio To Go? Wenn dein innerer Schweinehund es sich zu bequem macht! Das muss nicht sein mit der richtigen Anleitung von Tanja Hammer, Inhaberin des dr.bientzle Gesundheitsclub Grötzingen. Seit Mitte März wurden in ihrem Studio die Hanteln nur noch zum Saubermachen angehoben, die Laufbänder sind verwaist und der Kursraum bleibt ebenfalls leer. Lediglich die Physiotherapie darf weiterhin stattfinden. „Wir mussten daher kreativ werden und andere Ideen finden, um für die Mitglieder weiterhin da zu sein“, erklärt Tanja Hammer, Inhaberin und Sportphysiotherapeutin. „Unsere Mitglieder durften sich Kleingeräte fürs Training zu Hause bei uns ausleihen, dazu bekommen sie alle zwei bis drei Tage auf unserem neuen YouTube-Kanal ein Video für das Training zuhause und Kochrezepte“, sagt sie. Seit wenigen Tagen können die Mitglieder des Gesundheitsclubs aus Grötzingen die Kurse aus dem Fitnessstudio auch live ins eigene Wohnzimmer streamen und mitmachen. „Wir machen über unsere Trainings-App individuelle Trainingspläne auf Anfrage für zu Hause“, so Tanja Hammer weiter.

Jaqueline Frank-Zepf

Ungeschminkt durch die Krise! Zwar gibt es schon wieder einige Lockerungen, doch nicht für Kosmetikstudios. Der Betrieb im Studio steht komplett still. „Die Krise hat uns also voll getroffen. Die Stammkunden kaufen ihre Lieblingsprodukte weiterhin, aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein!“ Jaqueline Frank-Zepf, Geschäftsführerin des Erbprinz Beauty Studio in Ettlingen vermisst ihre Arbeit sehr: „Ich hoffe, dass wir auch bald wieder unsere Kundinnen begrüßen dürfen.“ Sie hat für ihr Team Kurzarbeit angemeldet und Fördergelder beantragt. „Ich bin mit den staatlichen Hilfen sehr zufrieden und das Geld kam auch relativ schnell bei uns an“, so Jaqueline Frank-Zepf weiter. Ihre Mitarbeiter und sie nutzen die Zeit, um sich in Schulungen, online natürlich, fortzubilden. Angst um den Job muss sich im Team von Jaqueline Frank-Zepf jedoch niemand machen. „Es ist für alle eine schwierige Zeit, aber sie können sich auf meine Unterstützung verlassen!“ So wie sie sich auf ihr Team verlassen konnte, als der Tag der Schließung kam. „In der Krise zeigt sich, wie eng unser Band ist, das hat mich sehr berührt!“ Der Corona-Krise möchte Jaqueline Frank-Zepf auch etwas Gutes abgewinnen: „Wir können nun überlegen, was wichtig ist: Müssen wir uns immer stressen lassen und allem hinterherhecheln?“

Dr. Uwe Spetzger

Ausnahmezustand am Städtischen Klinikum Karlsruhe (SKK). Geschlossene Restaurants, Friseursalons und Sportvereine – während der Alltag für viele Menschen stillsteht, herrscht am SKK quasi Ausnahmezustand, wie Dr. Uwe Spetzger berichtet. Er ist Medizinischer Geschäftsführer und Facharzt für Neurochirurgie. „Wir haben uns schon früh vorbereitet und das Klinikum modular in ein Covid- und Non-Covid-Krankenhaus umgebaut. So können wir auf akut erkrankte Patienten auch kurzfristig und vor allem adäquat reagieren“, so Spetzger. Selbst einen größeren Patientenansturm könnte das SKK aufgrund der organisatorischen Vorbereitung meistern. „Hierfür bin ich allen Mitarbeitern und dem gesamten Führungsstab sehr dankbar.“ In der Pandemie und der Krise sieht der Mediziner auch eine große Chance: „Wir müssen über wesentliche Strukturen und tradierte Mechanismen nachdenken. Der ein oder andere hat sicherlich die Zeit zu Hause auch dafür genutzt, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist in seinem Leben und für unser Zusammenleben. Gesundheit und menschliche Nähe haben im Rahmen der Pandemie wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Es bleibt zu hoffen, dass wir auch nach dieser Krise nicht sofort wieder in die üblichen Schemata und Verhaltensmuster zurückfallen und sich ein Lerneffekt einstellt und dieser vor allem auch anhält. Die Gesundheitsberufe verdienen einen nachhaltigen Respekt.“ Ein wenig Alltag ist auch am Städtischen Klinikum eingekehrt, zumindest ein bisschen: „In dieser Woche erhöhen wir die Anzahl an Operationen und diagnostischen Maßnahmen von Patienten, die bisher aufgrund der Pandemie auf eine Behandlung oder eine Operation zu Hause gewartet haben“, erklärt Spetzger. Das sei nur möglich, weil die Corona-Maßnahmen am SKK so gut greifen würden. Privat ist auch Dr. Uwe Spetzger noch weit von der Normalität entfernt. „Es gab zum Glück keinen Corona-Fall in meiner Familie und ich wünsche mir, dass das so bleibt. Ich freue mich aber schon jetzt auf Feste in größerer Runde und auf das nächste Flutlichtspiel des KSC sowie auf eine meiner Vorlesungen am KIT, die ich derzeit über eine langweilige Bildschirmkamera halte. Es sind die kleinen Dinge, auf die ich mich freue“, so Spetzger. Photocredit: Christian Ernst

Konrad und Alexander Kunz

Tante Emma für Heimwerker! Was Kunz nicht hat, das braucht man nicht. Inmitten der Corona-Krise macht Shoppen keinen großen Spaß und so bleiben auch nach den Lockerungen viele Läden verwaist. Kurz nach der Ausgangsbeschränkung bemerkten auch Konrad und Alexander Kunz von Konrad Kunz – Eisenwaren einen Kundenrückgang. Da sie in ihrem Geschäft Werkzeuge, Haushalts- und Gartenartikel, also Gebrauchsgegenstände für das alltägliche Leben verkaufen, blieben sie von dem Shutdown verschont. Und so hatten sie geöffnet, natürlich unter strengen Maßnahmen: „Wir versuchen weiterhin unsere Kunden wie gewohnt zu bedienen und unseren Service aufrechtzuerhalten. Außerdem haben wir folgende Maßnahmen umgesetzt: Abstand zum Kunden halten, keine Begrüßung durch Händeschütteln, Warnplakate vom Ordnungsamt an Tür und Verkaufsraum, häufiges Händewaschen und Plexiglasschutzscheibe an Kasse und Theke“, berichtet Alexander Kunz, der nun bereits in vierter Generation Teil des Familienbetriebs ist. Seit einigen Wochen läuft der Betrieb wieder wie vor der Krise, denn viele nutzen die freie Zeit, die durch beispielsweise Kurzarbeit entstanden ist, für Haus und Garten. Die Gemeinde Malsch steht zusammen: „Wir beteiligen uns an der Plakataktion der Interessensgemeinschaft Malsch ´Einkauf nach der Corona-Krise, um lokale Händler zu unterstützen´, an gemeinsamen Webemaßnahmen und Corona-Gutscheinen der IGM“, so Konrad und Alexander Kunz.

Michaela Pfannendörfer

„Wie es uns als Unternehmen getroffen hat? Vollkatastrophe!“ Die Tourismusbranche ist hart angeschlagen. „Wir sind leider eine der Branchen, die zu 100% betroffen ist und wir auch nicht wissen wann und wie es weitergeht“, so Michaela Pfannendörfer von der Reisecouch GmbH in Stutensee. Sie besucht ihre Kunden direkt zu Hause oder im Büro, ganz bequem am Küchentisch oder auf der Couch. Frühstück mit Maske, Urlaub mit Einschränkungen. Auch wenn die Grenzen nach und nach wieder geöffnet werden, es wird die nächsten Wochen turbulent weiter gehen. Da bleibt nur zu überlegen, welche Urlaubsmöglichkeiten in naher Zukunft noch eher in Betracht gezogen werden. „Wir haben jetzt schon überlegt, ob wir eine Kooperation mit einem Wohnmobilanbieter eingehen, dass wir den Kunden aktiv solche Reisen anbieten. Dass sie sich selbst ein Wohnmobil mieten und damit Urlaub machen, wo sie dann unabhängig sind und das Ganze auch ein bisschen umgehen können“, sagt Michaela Pfannendörfer. Trotz der schweren Zeit kann sie der Krise auch etwas Positives abgewinnen: Zeit füreinander, mit der Familie und ihren Liebsten und „dass Arbeit und die Hektik des Alltags nicht immer an erster Stelle stehen und man sich einfach mal die Zeit für andere Dinge nehmen sollte.“ In solch einer Krise sollte niemand allein sein. Und so steht für sie an erster Stelle, sich gegenseitig zuzuhören, sich über die Sorgen und Nöte auszutauschen. Michaela Pfannendörfer ist die Unterstützung der Familie und Freunde aber auch der Region wichtig: „Ich bin kein Freund von Online-Shopping und unterstütze durch Käufe und Empfehlungen die regionalen Geschäfte.“ Und nach der Krise? „Ich habe jetzt nichts, wo ich sagen würde, das vermisse ich so sehr, dass ich es unbedingt nachholen müsste. Aber einen schönen Urlaub, das muss sein – und den buche ich natürlich bei mir“, meint Michaela Pfannendörfer lachend.

Jörg Ritter

“Koffer packen und ans Meer fahren!” Sobald die Krise überstanden ist, geht es für Jörg Ritter, Geschäftsführer von RTE Akustik + Prüftechnik GmbH erst einmal an den Strand. Zwar ist das allgemeine Leben in Teilen noch immer heruntergefahren, von Stress und den Sorgen über die Zukunft bleiben auch Jörg Ritter und seine Kollegen nicht verschont. „Die Corona-Krise hat uns hart getroffen, da wir zu 80% in die Automobilindustrie liefern und unser Exportanteil 40% ausmacht. Zum Glück war unsere Auftrags- und Anfragelage noch gut, sodass wir die ‘echten’ Probleme erst im dritten Quartal erwarten,“ berichtet Jörg Ritter. Um die Einbußen zumindest ein bisschen abzufangen, muss auch er zu den klassischen Maßnahmen wie Kurzarbeit greifen. Die Zeit wird genutzt, um Strukturen und interne Prozesse zu verbessern sowie Online-Marketing voranzutreiben. Trotz all der Einschränkungen und Widrigkeiten kann Jörg Ritter der Krise auch etwas Positives abgewinnen. Das Arbeiten wird entschleunigt und auch der Feierabend wird mit mehr Gelassenheit genossen. „Durch die Reiseverbote und Kontaktbeschränkungen waren wir zusammen mit unseren Kunden gezwungen, Inbetriebnahmen und auch Abnahmen von Prüfmaschinen ausschließlich per Remote-Service durchzuführen,“ erklärt Ritter, der diesen Service zwar schon länger anbietet, bis jetzt aber keine Akzeptanz seitens der Kunden gefunden hatte. „Die Kunden erkennen nun, wie sie zukünftig Kosten sparen und Prozesse beschleunigen.“ In Krisenzeiten ist gegenseitige Unterstützung sehr wichtig und so werden Netzwerke geknüpft, gemeinsame Online-Aktionen gestartet und überall, wo Hilfe benötigt wird, mit angepackt! Und bis die Krise überstanden ist, schweifen Jörg Ritters Gedanken manchmal ab und er findet sich auf einem Liegestuhl am Meer wieder. “Zumindest das Wetter in der Region stimmt schon mal.”

Mark Pietsch

Das Beste aus der Situation machen: Das ist das Motto von Future Call in Ettlingen. Das Unternehmen, welches im Bereich Mitarbeiter-Benefits agiert, hat die Corona-Krise unerwartet erwischt. „Durch das Coronavirus sind von jetzt auf gleich alle Kundentermine abgesagt worden und wir konnten keine Umsetzungen mehr durchführen,“ berichtet Mark Pietsch von Future Call. Als Rückschlag betrachten sie die Lage trotzdem nicht: „Für uns ist die aktuelle Situation eine Chance noch besser zu werden. Wir setzen alles daran unsere kompletten Abläufe zu digitalisieren und auch Beratungen digital anzubieten.“ Gegenseitige Unterstützung ist in diesen Tagen besonders wichtig und so trägt durch regionale Unterstützung jeder dazu bei, dass bald alles wieder seinen normalen Gang nimmt. Privat wird sich auf den Sattel geschwungen und im Garten Sonne getankt: „Wir fahren öfter Fahrrad, genießen das gute Wetter und verbringen mehr Zeit in und um Haus und Hof,“ so Mark Pietsch. Die freigewordene Zeit wird sinnvoll genutzt und das Beste aus der aktuellen Situation gemacht.

Bella und Alex Böser

Die Liebe hat es schwer in Zeiten von Corona – zumindest, wenn sie durch eine Ehe besiegelt werden soll. In der aktuellen Situation ist es nicht abzusehen, ob dieses Jahr noch Trauungen wie geplant stattfinden können. Bella und Alex Böser aka Mr. & Mrs. Yes aus Karlsdorf-Neuthard begleiten Paare auf ihrem Weg zur Traumhochzeit: freie Trauungen, Hochzeitsfotos oder -videos und Bridal Partys. „Viele haben Angst, dass ihre Trauung verschoben oder sogar abgesagt werden muss. Entsprechend erreichen uns viele Fragen, wie wir die festgelegten Termine einhalten können bzw. welche Flexibilität von uns erwartet werden kann.“ Bella und Alex Böser versuchen so flexibel wie möglich auf die sich täglich ändernde Situation zu reagieren. Wichtig dabei ist, im Austausch mit ihren Brautpaaren zu sein und „das Beste aus der Situation zu machen.“ Die abgesprochenen Treffen werden natürlich eingehalten. Wie so oft in diesen Zeiten in digitaler Form per Videochat. „Da wir unsere Selbständigkeit nur nebenberuflich ausüben, haben wir den nötigen Puffer, um unseren Brautpaaren einige Alternativen anbieten zu können: Entweder können sie die Termine auf das Spätjahr 2020 oder auf nächstes Jahr verschieben,“ so Ehepaar Böser.

Sven Herzog

Voll auf die Zwölf – Sven Herzog hat ganz schön zu kämpfen. Homeoffice und Kaffee – passt doch! Für den Endverbraucher hat sich in Sachen Kaffee nichts verändert. Für Sven Herzog mit dem Herzogkaffee Röstwerk in Waldbronn schlagartig alles. „Voll auf die Zwölf! Circa 90% unseres Umsatzes kommt durch die Gastronomie und Hotelerie, da wir überwiegend diese und Gewerbekunden beliefern,“ so Herzog, der die Corona-Krise deutlich zu spüren bekommt. Für ihn und seine Kollegen bedeutete das, die Zielgruppe umzustrukturieren und die Endverbraucher direkt anzusprechen, um die Produkte anzubieten. Gegenseitige Unterstützung ist in diesen schwierigen Zeiten besonders wichtig, findet Sven Herzog. „Support your Locals. Es sind eine Vielzahl an tollen Lieferideen entstanden, so können die lokalen Betriebe unterstützt werden.“ Sein Motto ist weiterzumachen, zu kämpfen und neue Wege zu finden, um die ausbleibenden Umsätze zu kompensieren. „Wir tun alles, um nach dieser Krise noch da zu sein,“ sagt Herzog mit einem zwinkernden Auge.

Sandra Kegreis

Sport in der Corona-Krise? Geht, aber nicht mehr im Fitnessstudio von Sandra Kegreis, Inhaberin von Mr & Mrs Fit in Ettlingen. „Seit über sechs Wochen ist mein Studio schon dicht, das trifft mich sehr“, sagt Kegreis. „Die Ungewissheit, wie lange noch geschlossen bleiben muss, belastet mich stark!“ Denn die Einnahmen fallen weg, die Fixkosten bleiben. Damit die Zeit nicht ungenutzt bleibt, haben Sandra Kegreis und ihr Team eine neue Idee auf den Weg gebracht. „Im Studio gibt es nun einen sogenannten Greenscreen. Da können sich unsere Mitglieder vor oder nach dem Sport fotografieren lassen, um dann ein Bild zum Beispiel über den Wolken von sich zu bekommen. Das wird sicher ein Highlight!“ Auch das Büro hat sie auf Vordermann gebracht. „Da gab es doch einiges, was liegengeblieben ist!“ Damit Sandra Kegreis und ihre Kunden trotz Corona fit bleiben, hat die junge Unternehmerin Pläne für das Workout zuhause erstellt. „Ist die sportliche Einheit erledigt, wird ein Bild in die sozialen Netzwerke gepostet und wir teilen das dann. So halten wir als Gemeinschaft zusammen und motivieren uns gegenseitig mit den Workouts.“ Wenn irgendwann wieder Alltag einkehren wird, wann auch immer das sein mag, weiß Sandra Kegreis schon jetzt, was sie zuerst machen möchte: „Meine Familie treffen und fest in den Arm nehmen, das fehlt mir. Und im gleichen Atemzug mein Studio wiedereröffnen und eine Jumping Fitness-Stunde geben“, sagt Sandra Kegreis von MR & Mrs Fit. „Ich kann es kaum erwarten, wieder vor der Gruppe als Trainerin zu stehen!“

Gabriele Feller-Heppt

Was tun, wenn man in diesen Tagen zum Arzt muss? Viele Patienten sind verunsichert, wenn es nicht dringend notwendig ist, und gehen daher nicht zum Doktor. Auch Dr. Gabriele Feller-Heppt, Dermatologin mit Praxis in Baden-Baden, hat den Stillstand zu spüren bekommen. „Weil aber einige Praxen aufgrund von Corona-Fällen bei Mitarbeitern schließen mussten, haben wir diese Patienten aufgefangen“, berichtet Feller-Heppt. Trotzdem geht der Shutdown nicht spurlos an der Praxis „Skin&Face“ vorbei. „Finanziell tut das schon richtig weh“, sagt sie, „aber ich habe meine Praxis schon seit zwölf Jahren und konnte dadurch ein Polster aufbauen!“ Patienten werden weiterhin untersucht, etwa bei Hautkrebsverdacht oder gerade jetzt, im Frühjahr, müssen auch die Allergiker versorgt werden. „Es sind zwar weniger Patienten, doch durch das Hygienemanagement ist es aufwendiger geworden. Meine Mitarbeiter habe ich in zwei Teams aufgeteilt, damit der Betrieb auch im Corona-Fall aufrecht erhalten bleibt“, so Feller-Heppt. Kurzarbeit ist dennoch angesagt in der Praxis, zwei Kollegen arbeiten auch aus dem Homeoffice, machen die Abrechnungen und Buchhaltung von zuhause. „Ein Mitarbeiter ist über 65 und gehört zur Risikogruppe, die andere ist zweifache Mutter – und trotz geschlossener Kitas kann sie weiterarbeiten“, sagt Dr. Gabriele Feller-Heppt. Was aber tun, wenn die Patienten ausbleiben? „Wir haben die Zeit genutzt, um uns weiterzubilden. Zwei Mitarbeiterinnen haben bei einer Online-Schulung ein umfassendes Hygienezertifikat erworben, da sind wir bestens aufgestellt. Wir haben unser Labor zertifizieren lassen und stellen unser Qualitätsmanagement auf den Prüfstand. Die ‚freie Zeit‘ wird also zum Wohle der Praxis und Patienten gut genutzt!“ Aus der Corona-Krise, so die Hoffnung der Dermatologin, werden alle gestärkt hervor gehen. „Die Digitalisierung schreitet voran, denn für Vorträge muss man nicht mehr um die Welt reisen und aus privater Sicht, das nehme ich für mich mit, kann ich besser entscheiden, was wichtig ist im Leben und werde öfters entschleunigen!“

Thomas Herrmann

Schutzmasken statt Windeln – Herrmann Ultraschall rüstet um. Der Kaffee am Morgen aus der Kapsel, die elektrische Zahnbürste und Hygieneartikel: viele Alltagsprodukte werden mit Ultraschall als Fügetechnologie hergestellt. Führender Hersteller dieser Technologie ist Herrmann Ultraschall aus Karlsbad. Sie liefern in die ganze Welt. Corona hat einiges verändert. „Bereits vorher war eine leichte Abkühlung im Geschäftsklima zu spüren und jetzt in manchen Bereichen, wie der Automobilbranche, regelrechte Einbrüche“, erklärt CEO Thomas Herrmann. „Allerdings verzeichnen wir vermehrt Anfragen in der Medizintechnik, für Atemmasken und Testkartuschen.“ Aktuell setzt das Unternehmen auf eine „Zwei Gruppen-Strategie“, um im Falle von Infektionen weiter betriebsbereit zu bleiben.“ Das macht die Arbeit jedoch herausfordernd, denn die Personaldecke ist dadurch dünner. Einige Kunden von Herrmann Ultraschall rüsten ihre Produktionsanlagen so, dass sie statt Windeln nun Mundschutz-Masken produzieren. „Dieses neue Miteinander zum Zwecke der Gesundheit aller, gegenüber sonstigen wirtschaftlichen oder nationalen Zielen, stärkt uns. Genau diese Einstellung spiegelt sich in unserem Firmenwert ‚Resilienz‘ wider: Auch in herausfordernden Situation erkennen wir Chancen und sind der festen Überzeugung, daraus gestärkt hervor zu gehen.“

Oliver Striebel

Kurzarbeit, Liquiditätssicherung oder Fördermittel – viele offenen Fragen brennen den Klienten von Oliver Striebel unter den Nägeln. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater von Ebner Stolz, einer der größten Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland hat alle Hände voll zu tun. „Wir spüren natürlich, wie viele andere Kanzleien auch, eine deutlich verstärkte Nachfrage“, sagt Striebel. „Sehr schnell haben wir Online-Angebote entwickelt, um die Kommunikation zu den Themen, die den Unternehmern unter den Nägeln brennen, zu erleichtern. Bisher hatten wir schon drei Corona-Webinare zu den Themen Steuerrecht, Arbeitsrecht und Finanzierungshilfen mit jeweils mehr als 150 Teilnehmern. Dies zeigt sehr deutlich, wie groß aktuell der Informationsbedarf ist.“ Als Berater versuchen Oliver Striebel und seine Kollegen den Mandanten dabei zu helfen, den Überblick zu behalten, „was finanz- und leistungswirtschaftlich oder juristisch relevant ist“, so Striebel. Trotz oder gerade ob der vielen Arbeit genießt Oliver Striebel die Zeit der Entschleunigung: „Wir kochen gerne zu zweit oder mit der Familie und sitzen stunden- und nächtelang bei einem guten Glas Wein und unterhalten uns. Aber auch Spaziergänge oder Joggen in der Natur sind wichtig“, sagt der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Karlsruhe. Wichtig sei auch Rücksichtnahme auf diejenigen, die allein oder hilfsbedürftig sind. „Viel Kontakt zu Familie und Freunden halten in dieser kontaktlosen Zeit!“

Thomas Schall

Wie gerne wären wir lieber im Urlaub, doch private Reisen sind nicht erlaubt, die Hotels mussten schließen. Die Hotelflure sind verlassen, die Frühstückbüffets abgeräumt. Ein kleines Hotel mitten in Ettlingen hält die Stellung. Das Stadthotel Engel hat weiterhin geöffnet, auch wenn von den 90 Zimmern nur etwa zehn belegt sind. „So lange wir dürfen, sind wir für unsere Gäste da“, sagt Thomas Schall, Geschäftsführer des Hotels. Das sei eigentlich nicht rentabel: „Wir haben keinen Nachtportier, also schlafe ich im Hotel.“ Sonst ist der alltägliche Service abgespeckt worden: Frühstück gibt es entweder zum Mitnehmen oder als Room Service – und wird gerne angenommen“, sagt Schall lachend. Gerade die Stammgäste seien froh, dass das Stadthotel Engel noch geöffnet hätte, denn Geschäftsreisende gibt es trotz Corona. Die Mitarbeiter hat er vorerst in Kurzarbeit geschickt. „Kündigen werde ich niemanden – da kommen wir schon irgendwie durch!“ Damit die Hotelflure nicht ganz verwaisen, hat sich Thomas Schall ein ungewöhnliches Angebot einfallen lassen: Hotel- statt Homeoffice. „Tageweise können unsere Zimmer gebucht werden, für diejenigen, die Zuhause keine Ruhe finden, um zu arbeiten.“ Eine andere Idee, so Thomas Schall, war, das Hotel in ein Quarantäne-Hotel zu verwandeln. „Das Angebot wäre für Senioren und leicht kränkliche Menschen, keine Corona-Fälle, um die Pflegeheime zu entlasten. Das scheiterte jedoch an rechtlichen Vorschriften, aber die Anträge laufen noch.“

Blazenka Schäfer

Nicht systemrelevant! Seit Wochen hat das Team vom Friseursalon BEKY keine Kunden mehr im Salon bedient, wie Inhaberin Beky Schäfer erzählt: „Wir mussten aufgrund der Verordnungen schließen. Leider haben wir keine Möglichkeit, unsere Ware ‚to go‘ zu verkaufen. Also heißt das für uns: keine Kunden – kein Umsatz. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, haben wir Gas gegeben und unseren Online-Shop innerhalb von einer Woche auf die Beine gestellt. So können die Lieblingsprodukte bequem von zu Hause aus bestellt werden. Unsere Kunden sind uns auch jetzt in der Krise treu und unterstützen uns, indem sie unsere Aktionen teilen und Gutscheine von uns kaufen und verschenken. Wir finden es wichtig, die lokalen Geschäfte zu unterstützen und unser gesamtes Team kauft – wenn möglich – online in der Region. Es ist enorm wichtig, dass die Unternehmen digital denken und anbieten. Ich mache das schon lange und das kommt uns jetzt zugute. Im Salon haben wir trotz Schließung genug zu tun: So haben wir die Zeit genutzt, um alles auf Vordermann zu bringen und die jährliche Grundreinigung einfach vorgezogen. Unsere vier Azubis bekommen von uns Intensivtrainings. Die Social-Media-Kanäle werden bespielt und wir kümmern uns um die Bestellungen. Nichtsdestotrotz sind wir froh, wenn wir unseren Salon wieder öffnen können. Denn unsere Passion ist das Friseurhandwerk und das will gelebt werden – online hin oder her.“

Konstanze Wiederroth

#LocalsVsCorona Schon seit Wochen haben die Geschäfte geschlossen, nur wer „systemrelevant“ ist, darf weiterhin geöffnet haben. Das Wollparadies in Ettlingen gehört nicht zu dieser Gruppe, wobei die Kunden bestimmt anderer Meinung wären. Kommenden Montag ist es jetzt aber wieder soweit! Geschäfte unter 800 Quadratmeter dürfen ihre Pforten wieder öffnen. Die Zeit bis dahin: „Das zehrt schon, ich habe ja auch laufende Kosten“, sagt die Inhaberin Konstanze Wiederroth. In den Tagen vor dem Shutdown hat die Kundenzahl nochmal stark zugenommen. „Die Menschen haben auch bei uns Hamsterkäufe gemacht, hier war mehr los, als an Weihnachten, und dann ging die Kundenzahl radikal auf Null“, sagt Wiederroth. Konstanze Wiederroth und ihrem Team war gleich klar, dass sie einen Lieferservice anbieten wollen. „Wir wollen die Anfrage bedienen, egal wie. Und unsere Kunden sind froh, dass wir für sie da sind. Außerdem wird vielen jetzt langweilig, also entdecken sie wieder ihr Strick- und Handarbeitsfähigkeiten“, so Wiederroth mit einem Lachen.

Sissi Gegenheimer

#LocalsVsCorona Es ist Frühling, Zeit die luftigen und bunten Kleider und Shirts aus dem Schrank zu holen und die Garderobe wieder aufzustocken. Doch eine schöne Shoppingtour mit den Freundinnen geht derzeit nicht, erst ab Montag wieder. Von der Kontaktsperre war auch die Boutique Image in Ettlingen betroffen. „Seit über 20 Jahren ist es das erste Mal, dass ich mein Geschäft schließen musste“, sagt Sissi Gegenheimer, Inhaberin der Boutique. Die Krise trifft sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt. „Das Frühjahr ist unsere beste Zeit, wir haben die schönsten Teile im Laden – und keine Kundinnen“, so Gegenheimer. Sie setzte voll auf die Online-Kanäle. „Wir verkaufen Gutscheine und die ein oder andere Lieferung an treue Kundinnen ist auch schon rausgegangen.“ Die Zeit wird einfach kreativ genutzt, erzählt Sissi Gegenheimer. „Wir versorgen unsere Community mit den aktuellsten Looks. Wir entwickeln neue Angebote, um auch nach der Krise eine umfangreiche Auswahl anbieten zu können. Nur wer die Krise nutzt, kann danach mit neuer Power und Energie gestärkt daraus hervorgehen!“ Neben den sozialen Netzwerken setzt die Inhaberin der Boutique Image auf Mundpropaganda und persönliche Empfehlungen zufriedener Kundinnen, nicht nur in eigener Sache, sondern auch für die Mitbewerber.

Hendrik Schulze-Oechtering

Geht es den Menschen und der Wirtschaft gut, geben sie gerne etwas zurück. Wenn nicht, dann nicht. Das ist ein Problem, vor dem Hendrik Schulze-Oechtering, Geschäftsführer der Manuel Neuer Kids Foundation (MNKF) steht, die sich rein über Spenden finanziert. „Noch ist die finanzielle Lage gut“, sagt er, „doch wie die Spenden im Laufe des Jahres sein werden, kann ich nicht vorhersehen.“ Von diesen Problemen bekommen die Kinder und Jugendlichen nichts mit, nur, dass ihr Treffpunkt seit Mitte März geschlossen hat. „Das Kinder- und Jugendhaus MANUS musste schließen und wir kreativ werden. Also haben wir den Kontakt in den virtuellen Raum verlagert“, so Schulze-Oechtering. Die Pädagogen aus dem Haus MANUS in Gelsenkirchen „betreuen“ weiterhin ihre Schützlinge, machen mit ihnen Hausaufgaben und zeigen, wie sie auch auf engstem Wohnraum ihre Freizeit gestalten können. „Das klappt richtig gut und den digitalen Kontakt wollen wir beibehalten, auch nach der Krise. Denn nicht alle kommen jeden Tag – so erreichen wir trotzdem jeden“, sagt Schulze-Oechtering. Gegenseitige Unterstützung sei jetzt besonders wichtig. „Nicht nur dem Nachbarn gegenüber, sondern auch den lokalen Einzelhändlern. Die gucken derzeit in die Röhre -mit einem Gutscheinkauf kann man sie unterstützen.“

Prof. Dr. Christiane Weiland

Wer derzeit etwas lernen will, der muss in die digitale Welt ausweichen, denn Schulen, Volkshochschulen sowie Unis und Fachhochschulen sind aufgrund der aktuellen Beschränkungen geschlossen. Auch für die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) kam der Stopp zu Beginn des neuen Semesters sehr plötzlich. „Wir haben sofort verschiedene Systeme für die Fortsetzung der Vorlesungen getestet“, sagt Prof. Christiane Weiland, Leiterin des Studiengangs BWL-Bank bei der DHBW. „Nach wenigen Tagen starteten die Vorlesungen in Onlineformaten, häufig live. Das ist zwar nicht das Gleiche, aber wir freuen uns, dass es weiter geht und unsere Studierenden kein Semester verlieren!“ Der Krise kann Weiland etwas Positives abgewinnen. „Die überragend konstruktive und engagierte Zusammenarbeit und auch die große Kreativität, die sich entwickelt hat“, so Christiane Weiland weiter. „Alle Beteiligten haben ganz offen und gemeinsam nach teilweise unkonventionellen Lösungen gesucht und einfach etwas ausprobiert. Das ist nochmal eine ganz neue Qualität der Zusammenarbeit.“

Cindy Phan

Fitnessstudio, Friseur oder Nagelstudio. Für viele gehört ein regelmäßiger Besuch zum Leben dazu – auch wenn es nicht lebensnotwendig ist. Im Gegensatz zu Supermärkte, Apotheken und Co. müssen diese zu Zeiten der Corona-Krise ihre Pforten schließen. Das trifft viele kleine, lokale Geschäfte hart. So auch Cindy Phan von MYLAM Nagelstudio: „Aufgrund meiner Selbstständigkeit als Kosmetikerin trifft es mich sehr, da ich in der aktuellen Situation kein Geld verdienen kann.“ Statt Trübsal blasen versucht sie das Beste daraus zu machen und nutzt die Zeit, um Dinge zu tun, zu denen sie vorher nicht gekommen ist. Ihre Devise „daheim bleiben, gesund bleiben und alles vorbereiten, um nach der Krise sofort wieder loszulegen.“ Für Cindy Phan ist es wichtig, dass alle den Anweisungen folgen und zuhause bleiben, um so die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Und noch etwas: „Unterstützt die lokalen Geschäfte, kauft euer Brot in der nächsten Bäckerei und greift nicht einfach zur Aufbackware aus dem Supermarkt.“

Rebecca Frank und Tatjana Utz-Erhardt

Fitnessstudios haben geschlossen, Massagepraxen sind zu und auch die Kältesaune COOLINN in Durlach musste Mitte März den Betrieb einstellen. Erlaubt sind nur noch medizinische Anwendungen wie Physiotherapien. „Die Umsätze sind weg aber die Kosten sind geblieben“, sagt Rebecca Frank, Gründerin der Kältesauna. Zudem sind Interessenten für die neuartige Technik der Kryokammer abgesprungen. Um die Verluste ein bisschen aufzufangen, haben Rebecca Frank und Tatjana Utz-Erhardt, Mit-Gründerin von COOLINN, eine Gutscheinaktion vor Ostern gestartet. Sie hoffen beide, dass die Beschränkungen bald wieder gelockert werden, damit die Kunden ihre Ostergutscheine auch einlösen können. Faul sein gilt nicht für die beiden Powerfrauen. Sie nutzen den Stillstand für neue Ideen: „Wir entwickeln gerade ein Franchise-Konzept für die Kältesauna, nutzen die Zeit, um Abläufe zu optimieren“, sagt Frank, „und wir suchen nach passenden Mietern für unsere Location. Wir haben hier nämlich noch ein paar ungenutzte Räume, die wir gerne untervermieten würden.“ Ein Coworking Space also, denn Zusammenhalt ist dieser Tage besonders wichtig, da sind sich beide Frauen einig.

Andreas Kern

Das Wetter in den letzten Wochen ist super, die Sonne scheint und jeden Tag wird es ein bisschen wärmer. Wie wäre es mit einem Grillabend auf der Terrasse? Eine gute Idee, doch bei einigen fehlt nach dem Winter noch das passende Zubehör. Das verkauft Andreas Kern, Inhaber der Männerküche. Wo sich alles rund ums Grillen dreht. Doch Corona verhagelt ihm das Geschäft, denn im Frühling verzeichnet er die umsatzstärksten Monate. „Die Kosten sind ja geblieben. Die Kunden gehen jetzt zur Konkurrenz, denn die Baumärkte haben weiterhin geöffnet“, sagt Kern. Gut, dass Andreas Kern auf seinen Onlineshop zurückgreifen kann. In den sozialen Netzwerken stellt er seine Produkte vor und setzt auf Newsletter-Marketing. „Die Kunden nehmen das auch sehr gerne an, vor allem am Abend wird gerne bestellt“, sagt Kern. Wer bei dem Ettlinger Unternehmen bestellt, bekommt Grill, Zange & Co entweder geliefert oder kann die Bestellung vor Ort abholen. Die Online-Käufe haben zugenommen. „Das hilft uns!“ Auch wenn das Geschäft nicht geöffnet hat und die Umsätze zurückgegangen sind, das ist nicht alles im Leben. „Meine Frau, die Familie und ich sind alle glücklicherweise gesund“, so Andreas Kern. Die Zwangspause nutzt er, um ein bisschen Sport in den eigenen vier Wänden zu machen.

Christian Fiedler

Die Welt ist in einer spannenden Zeit, denn niemand weiß, wann der Alltag, wie wir ihn bis Ende Februar kannten, weitergehen wird. Manch einer bekommt die Auswirkungen zu spüren und muss in Kurzarbeit, andere bereichern sich während der Corona-Krise. „Erst vor wenigen Tagen wurde sich uns gegenüber beschwert, wir würden Schutzmasken zu teuer verkaufen. Dabei geben wir bei einigen Produkten den Preis, den wir bezahlen nur weiter. Da kann man nicht von bereichern sprechen“, erzählt Christian Fiedler, Apotheker in Angelbachtal. Die Stimmung bei den Mitarbeitern in der Apotheke ist gut. „Schon Anfang März haben wir einen Plan gemacht, wie wir die Lage meistern können. Wir haben nun ein 14-tägiges Schichtsystem”, sagt Fiedler, Inhaber der Schlossgarten-Apotheke. Neben der Beratung der Kunden, die vermehrt mit Fragen kommen, dürfen Fiedler und sein Team das Tagesgeschäft nicht vernachlässigen. „Wir beliefern vier Seniorenheime. Das ist momentan eine noch größere Verantwortung“, sagt der Apotheker. Zwei Dinge, das wünscht sich Fiedler, müssen die Krise überstehen: „Unser Miteinander, das sich nun (wieder) entwickelt, soll bleiben und zum anderen, dass wir die einfache Hygiene wieder in unseren Alltag integrieren.“

Simone Klüpfel

Hand aufs Herz: Ein bisschen bummeln und shoppen macht glücklich, oder? Geht ja nur gerade nicht so richtig. Was tun? Ausweichen auf die lokales Online-Shopping. „Wir haben innerhalb kürzester Zeit einen Online-Shop aufgebaut“, sagt Simone Klüpfel, Inhaberin von SECONDBEST in Ettlingen. Ganz entspannt kann Frau also vom Balkon oder dem Sofa shoppen und die Teile werden geliefert. „Natürlich kontaktlos und auch kostenlos. Die Lieferungen mache ich nach Möglichkeit mit dem Fahrrad, so halte ich mich nebenbei auch noch fit“, sagt Klüpfel mit einem Lachen. Der Laden mag geschlossen sein, doch Langeweile kommt bei Simone Klüpfel nicht auf während des Corona-Shutdowns. „So viel Freizeit ist es nicht, denn Online-Marketing ist absolutes Neuland für mich und das hat schon einiges an Zeit gekostet, mich da einzuarbeiten. Täglich lerne ich neue Dinge dazu“, so Klüpfel weiter. Durch die Krisenzeit, so Klüpfel, komme man nur gemeinsam, und in dem vor allem lokale Händler und Dienstleister unterstützt werden. „Immer wieder auf die Wichtigkeit lokaler Geschäfte hinweisen, denn sie sind prägend für ein individuelles Stadtbild. Aber auch Gutscheine kaufen oder nun doch den kleinen Online-Shop nutzen hilft uns allen, die schwere Zeit zu überleben!“

Martina Lammel

Als Künstler weiß man sowieso nie, wann der nächste Auftrag reinkommt oder ein Bild verkauft wird. Wenn dann noch die regelmäßigen TV-Termine ausfallen, fallen auch Einnahmen weg. Bei Martina Lammel, Künstlerin aus Ettlingen, sind die Pläne daher etwas „aus den Fugen geraten“, wie sie sagt. „Die Messen sind ausgefallen, die Fernseh-Auftritte – der gewohnte Zeitdruck ist verschwunden“, versucht sie die Lage sportlich zu nehmen. Daher entfällt die Fahrt nach Baden-Baden, um bei „ARD-Buffet“ dabei zu sein. Stattdessen hat sich die ARD eine andere Lösung einfallen lassen: „Durch das Kontaktverbot sind wir nicht mehr im Studio, sondern werden extern gefilmt und dann als Einspieler in der Sendung gezeigt“, erklärt Lammel. Wer in jedem Fall von der vielen Freizeit profitiert: Hund Rick. „Er freut sich, dass unsere Runden nun länger sind als gewohnt“, sagt sie lachend. Über allzu viel Langeweile kann sie jedoch nicht klagen. „Ich möchte in diesem Jahr wieder ein Buch mit kreativen Ideen zum Selbermachen veröffentlichen. Das bedeutet Entwürfe anfertigen, Fotoproduktionen und viel Textarbeit. Was man auch in schweren Zeiten nicht vergessen sollte: „Man kann sich auch mit zwei Metern Abstand ein freundliches Lächeln schenken“, so die Künstlerin.

Regina und Majed Sansour

Nicht jeder kann im Homeoffice arbeiten. Wer direkt mit Menschen und deren Gesundheit zu tun hat, kann nicht ausweichen. Vor dieser Herausforderung stehen Majed Sansour und seine Frau Regina mit ihrer Praxis, A&O Zentrum für ganzheitliche Therapien. Es herrscht fast Stillstand. „Die Patienten kommen nur, wenn sie akute Probleme haben. Das bedeutet für uns: viel Leerlauf und Umsatzeinbußen“, sagt Majed Sansour, Osteopath und Physiotherapeut. Da Majed Sansour und sein Team den Patienten nahe kommen, sind Handschuhe und Mundschutz aktuell Pflicht bei der Therapie. „Das ist zu unserem eigenen Schutz und für die Patienten“, sagt Regina Sansour. Bei der Terminvergabe achten sie nun darauf, etwas mehr Abstand zwischen den Terminen zu lassen. „Wir tun unser Bestes, wie auch schon vor Corona, nur jetzt unter erschwerten Bedingungen“, so Majed Sansour. Die unfreiwillige Freizeit wollen Regina und Majed Sansour nutzen, um ihr Angebot neu zu gestalten. „Wir denken über neue Wege nach, wie wir die Situation meistern und vor allem entwickeln wir Pläne für die Zeit nach Corona!“ Überleben heißt das Credo und gegenseitige Unterstützung. „Mithilfe von Patienten-Empfehlungen oder neuen Netzwerken kann uns jeder helfen. So bleiben wir regional im Gedächtnis!“

Sabine von Schickh

Offene Worte von Sabine von Schickh, was Corona mit ihr und ihrer Werbeagentur macht: „Budgetierte Aufträge werden geschoben oder gestrichen. Und? Sollen wir jetzt alle heulen? Ich bin dankbar, dass wir als Werbeagentur easy von zu Hause arbeiten können. Dass ich ein festes Team habe. Aus Menschen mit vielen Talenten und sozialer Kompetenz. Wir leben seit der ersten Agenturstunde das, was seit dem Hype um New Work herumgeistert: Agilität! Das kommt uns jetzt zugute. Deswegen funktioniert unser Homeoffice so perfekt. Ich will mit allen Mitarbeitern zusammen durch die Krise. Dafür muss mein innerer Schweinehund bitter leiden. Geschäftlich schlägt er bei Kaltakquise am liebsten an. Soll er doch. Wir halten dagegen: Richten Online Shops ein, entwickeln Social Media Kampagnen, machen Videos, schreiben, was das Zeug hält. Und nutzen unsere Kompetenz, um den Locals Gehör zu verschaffen: Hashtag#LocalsVsCorona. Persönlich? Irgendwie ist analog das neue Bio, den persönlichen Austausch vermisse ich. Genieße aber die Zwangspause von Netzwerkereien mit Kontakten, die mich womöglich nicht interessieren, von den x-ten Workshops und Meetings, die ich mir auferlegt habe – diese Erkenntnis nehme ich mit für die Zeit nach Corona. Und dass wir ab dann einen Tag die Woche Homeoffice machen. Das hat was.“

Adam Yeomans

Die Corona-Krise macht sich auch bei Solo-Selbständigen bemerkbar, sie verzeichnen weniger Aufträge als noch vor einigen Wochen. Adam Yeomans, Übersetzer aus Ettlingen, ist einer dieser 1-Mann-Betriebe. Sein Spezialgebiet: Übersetzungen aus der Tourismus- und Hotelbranche, vorwiegend mit Anfragen aus Italien, um die Texte ins Englische oder Deutsche zu übersetzen. „Da die Hotels europaweit geschlossen sind, brauchen sie dementsprechend keine Werbung, und damit auch meine Übersetzungen nicht“, sagt Adam Yeomans, gebürtig aus Großbritannien und seit einigen Jahren in Ettlingen beheimatet. „Auch andere Branchen verzichten auf Sonderausgaben und konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft, daher ist meine Auftragslage gleich Null! “Die Zuversicht verliert der Brite dennoch nicht, auch wenn das manchmal gar nicht so einfach ist. Sein „Corona-Plan“ während der strikten Beschränkungen, denn auch seine Sprachkurse fallen aus: Englisch-Konversations-Kurse per Videochat. „Das versuche ich gerade aufzubauen, denn die Leute haben nun die Zeit, sich weiterzubilden. Außerdem hilft es gegen die Einsamkeit in der selbstauferlegten Isolation“. Während die Lage noch anhält, ist es Yeomans wichtig, dass die Menschen zusammenhalten, füreinander einstehen und sich gegenseitig helfen.

Uwe Baumgart

Mal eben so ins Homeoffice umziehen? Bei ITAM.ONE kein Problem, denn für die IT-Firma aus Ettlingen die einfachste Übung. „Die Verlagerung der Kollegen ins Homeoffice war eigentlich nur noch organisatorisch, ein paar kleine Änderungen hier und da“, sagt Uwe Baumgart, Geschäftsführer bei der IT Management GmbH (ITAM). Die Auswirkungen der Corona-Krise spürt auch er: Die Kunden arbeiten in Kurzarbeit und das führt zu teilweise heftigen Umsatzeinbußen. „Es heißt jetzt aber Ruhe bewahren und den Kollegen ein stabiles Umfeld ermöglichen. So können wir gemeinsam diese schwere Zeit durchstehen“, sagt Baumgart. Durch die Umstellung bekäme der Begriff „New Work“ eine vollkommen neue Bedeutung.Baumgart versteht sich in dieser Krisen-Zeit als Steuermann: „Wir müssen das Schiff so lange wie möglich mit einem Best Practice-Beispiel navigieren und uns noch schneller auf Veränderungen einstellen. Das heißt, dass wir Ressourcen und Kapazitäten auf Sicht steuern müssen. Da wollen wir die Zeit dafür nutzen, an Produkten und Konzepten der Zukunft zu arbeiten!“ ITAM-„Kapitän“ Uwe Baumgart sieht diese „Auszeit“ als Chance, sich wieder auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren: „Das Miteinander, Kommunikation sowie Respekt und Unterstützung spielen dabei die zentralen Rollen“.

Jasmin Schlotterer

Was tun in diesen Zeiten, wenn die Gäste ausbleiben, weil die meisten Kunden normalerweise in ihrer Mittagspause kommen? Die ersten Tage hat Schlotti Salatbar noch die Stellung gehalten, Salate, Suppen und Snacks zum Mitnehmen verkauft. „Ich habe das schon ein paar Tage vor dem Shutdown gemerkt: Caterings für große Meetings wurden abgesagt“, sagt Jasmin Schlotterer, Inhaberin von Schlotti Salatbar. „Dann kamen die ersten strengeren Regelungen der Stadt und des Landes, dass die Restaurants und Gastro nur noch ‘to go’ verkaufen dürfen, aber da sind uns schon die Gäste ausgeblieben.“ Die freie Zeit nutzen Jasmin Schlotterer und ihr Team, um die Salatbar auf Vordermann zu bringen, „es wird bis in die letzte Ecke geputzt“, aber auch, um in der Küche kreativ zu werden. „Ich überlege mir neue Rezepte für Dressings oder Suppen, das darf auch nicht zu kurz kommen. Außerdem arbeite ich jetzt das ab, was im Büro schon etwas länger liegen geblieben ist“, sagt sie lachend.

Madeline Willers

Hochbetrieb in den Supermärkten der Nation, doch Künstler schauen aktuell in die Röhre. Alle Veranstaltungen sind während der Corona-Krise abgesagt worden. Das trifft auch Sängerin Madeline Willers, für die es nichts Schöneres gibt, als auf der Bühne zu stehen und ihr Publikum zu unterhalten. Nun ist die junge Heilbronnerin zur Zwangspause verdonnert worden. „Von heute auf morgen wurden alle Live-Veranstaltungen abgesagt. Dies ist für uns Künstler definitiv keine einfache Zeit“, sagt Madeline Willers. Trotz der widrigen Umstände versucht sie, der Situation etwas Positives abzugewinnen: „Ich versuche mich nicht zu ‘stressen’ und erledige Dinge, die im Alltag zu kurz kommen, wie etwa den Schrank ausmisten oder ich probiere das eine oder andere Kochrezept aus“, sagt sie lachend. Außerdem nutzt sie ihre Freizeit, um sich fit zu halten, nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch musikalisch ist sie kreativ. Damit die Krise möglichst schnell überwunden werden kann, appelliert die Sängerin, dass sich jeder an die Vorgaben halten solle. „Abstand halten so gut es geht, damit tun wir Gutes. Und wer kann, soll in seinem Umfeld die unterstützen, die nicht raus können. Wenn jemand Hilfe braucht, etwa zum Einkaufen, erledige ich das gerne“, sagt Madeline Willers.

Elke Susanne Sieber und Daniel Wensauer-Sieber

MUT – MOTIVATION – MACHEN, das ist das derzeitige Motto von Elke Susanne Sieber und Daniel Wensauer-Sieber von der Unternehmensberatung sieber l wensauer-sieber l partner. „Durch die Krise sind unsere Präsenz-Termine innerhalb weniger Tage weggebrochen: Workshops, Coachings, Seminare”, berichtet das Unternehmer-Ehepaar, „jetzt müssen wir unser Angebot digitalisieren.” Inzwischen haben sich die beiden den Umgang mit wesentlichen Conferencing-Tools professionalisiert. „Es funktioniert super, die Termine sind aber sehr viel intensiver”, so Elke Sieber. Nach der ersten Phase „Arbeitsfähigkeit wieder herstellen“ ist es jetzt wichtig, vom Krisen- zurück in den Produktivmodus zu starten. „Hierzu haben wir das OKE-Meeting entwickelt, das Teams oder Führungskreisen hilft, sich ‚online kollegial zu empowern'”, erläutert Sieber, „so kommen die Menschen zurück in den Aktivmodus, den am besten hilft MACHEN statt abwarten!”

Walter Köhler

Essen muss der Mensch, das ist klar, auch in den Corona-Tagen. Wer tapfer die Stellung hält sind die Bäckereien in der Region. Aber auch hier machen sich die Beschränkungen bemerkbar, vor allem da viele Geschäfte mittlerweile Geld mit den Cafés, die sie betreiben, verdienen. Das fällt auch bei Walter Köhler, Inhaber von Laib&Leben und Köhler’s Landbäckerei ins Gewicht. „Wir verlieren mehrere tausend Euro Umsatz am Tag dadurch“, sagt Köhler. Das tue weh. Doch der 69-jährige ist kämpferisch. „Ich bin jeden Tag unterwegs, fahre von Laden zu Laden, rede meinen Mitarbeitern gut zu, damit wir diese Krise durchstehen. Denn meine Mitarbeiter sind mein höchstes Gut, die ich ja auch bezahlen muss!“ Sein Corona-Plan: Überleben! Nicht nur als Unternehmen, sondern auch der Mensch. „Wir müssen der Situation trotzen, denn sich jetzt einzuigeln bringt ja nichts“, so Walter Köhler weiter. „Ich bete, dass es Ende April wenigstens die ersten Lockerungen gibt, dann wird es den Firmen auch wieder besser gehen“, ist sich der Inhaber zweier Bäckereien sicher.

Nikolaus Spitzer

Die Regeln, um die Verbreitung des Virus aufzuhalten, sind recht simpel: So wenig wie möglich soziale Kontakte haben! Das heißt, dass Events abgesagt werden. Das trifft die Branche schwer, vom Türsteher über den Clubbesitzer bis hin zum Plakatierer wie Nikolaus Spitzer. Der Kulturmanager aus Ettlingen, der auch für Plakatierungen für Veranstaltungen wie Reise-Dia-Shows verantwortlich ist, hat seine 20 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. „Es ist eine schwere Lage, aber Trübsal blasen wäre sinnlos, ich mache, was möglich ist“, sagt Nikolaus Spitzer, Kulturmanagement & Konzertservice. Die aktuelle Krise sei ein Schicksalsschlag, ein Naturphänomen, mit dem wir nun klarkommen müssen.

Dr. Felicitas Schierle

Die aktuelle Corona-Krise bringt jeden Tag neue Entwicklungen: Schulen und Kitas wurden geschlossen, später auch Spiel- und Bolzplätze. Dem folgten Einzelhändler, die keine Lebensmittel anbieten oder Kultureinrichtungen. Wer die Stellung hält sind Supermärkte, Postboten – und Ärzte. So auch das Team von MUNDart, der Kieferorthopädischen Praxis um Dr. Felicitas Schierle. Gar nicht so einfach:„Wir haben daher vorsorglich einen 4-Wochen-Plan aufgestellt“, so die Kieferorthopädin. Der beinhaltet: Gearbeitet wird in zwei unabhängigen Teams mit jeweils einem Arzt und vier Arzthelferinnen, die sich nicht begegnen. „Wir haben die Arbeitszeit auf etwa 2/3 reduziert und Termine, die nicht zwingend notwendig sind, abgesagt“, so Dr. Schierle weiter. “Das Wartezimmer ist verwaist und wird in der aktuellen Situation nicht mehr benutzt. Direkter Körperkontakt wird vermieden. Und wir gehen nach dem Prinzip vor: So wenig soziale Kontakte wie möglich!“ Ihr Ratschlag an alle Karlsruher: „Nur indem wir unsere sozialen Kontakte einschränken, können wir die Verbreitung des Virus eindämmen!“ Dr. Felicitas Schierle und das Praxisteam fühlen sich trotzdem gut vorbereitet, jeden Tag wird die Lage neu bewertet und auf Grundlage der offiziellen Beschlüsse entschieden, wie es weitergeht.

Johann Hitscherich

Die Einschränkungen, die durch die Corona-Krise beschlossen wurden, treffen nicht nur Einzelhändler, öffentliche Einrichtungen, Restaurants & Co hart. Industrieunternehmen und das produzierende Gewerbe müssen ihre Pforten zwar nicht schließen, bleiben von den Auswirkungen aber auch nicht verschont. So auch J. Hitscherich Wälzlager & Industriebedarf. „Ich versuche, das Tagesgeschäft soweit wie möglich fortzusetzen. Viele meiner Kunden haben bereits Kurzarbeit, das heißt, der Bedarf an Kugellagern ist stark zurückgegangen und somit auch mein Umsatz,“ so Geschäftsführer Johann Hitscherich. Sowohl privat, als auch geschäftlich hält sich Johann Hitscherich an die Anweisungen und versucht sich so ‘normal’ wie möglich zu verhalten. Seine Devise: Abwarten und hoffen, dass die Ausbreitung schnellstmöglich eingedämmt wird. Eines ist Johann Hitscherich besonders wichtig, „jeder sollte auf den anderen Rücksicht nehmen und seine Belange auch mal zurückstellen.“

Peter Schürrer

Was wir gerade erleben, kommt mitunter einem Hausarrest gleich: Die Kitas haben geschlossen und die Kinder sind zuhause, wer kann, macht Homeoffice, auch wenn man dafür am kleinen Küchentisch hocken muss. Sich nun eine neue Wohnung suchen und diese auch besichtigen? Undenkbar in diesen Corona-Krisentagen. Peter Schürrer und sein Team merken diese Einschnitte schon deutlich, auch wenn es sich „noch im Rahmen hält“, sagt der Immobilienmakler mit seinen zehn Filialen. Notare und Banken arbeiten auf Sparflamme, Besichtigungen werden abgesagt. „Wir rechnen daher mit einem Umsatzrückgang, was bei 130 Mitarbeitern in zehn Filialen wirklich hart ist“, so Schürrer weiter. Der Geschäftsführer von Schürrer & Fleischer versucht dabei so transparent wie möglich gegenüber seinen Mitarbeitern zu sein. „Das ist aktuell ganz wichtig – und die Kommunikation muss gut laufen. Da viele gerade im Homeoffice sind, machen wir natürlich viele Videokonferenzen, damit wir uns auch mal sehen!“ Derzeit arbeitet sein Team auf Hochtouren daran, virtuelle Rundgänge und Besichtigungen durch die Immobilien anzubieten. „Wir arbeiten schon länger daran, haben das auch bei vereinzelten Objekten bereits gemacht. Jetzt sind wir eben gezwungen, schon früher umzustellen“, sagt Peter Schürrer.

Andrea Janson

Zwischen Kontaktverbot und Ladenschließung – die aktuelle Situation trifft vor allem kleine Läden und Einzelhändler schwer, die keine Lebensmittel verkaufen und ihr Geschäft dicht machen mussten. „Das bedeutet keine Einnahmen, aber selbstverständlich laufende Kosten, meine Kolleginnen bleiben die nächsten Tage zu Hause“, sagt Andrea Janson, Inhaberin der Schmuckgalerie Karat in Ettlingen. Also was tun, wenn die Kunden nicht kommen dürfen? Dann kommt Karat zu ihnen nach Hause: „Wir können jedes unserer Schmuckstücke an unsere Kunden verschicken, das machen wir sogar versandkostenfrei“, so Janson. In der Werkstatt wird es derweil kreativ: „Wir haben eine eigene Goldschmiede im Haus, also sind wir hinter verschlossenen Türen ganz schön fleißig: Wir wollen eine bunte Frühjahrs- und Sommerkollektion entwerfen. Zeit genug haben wir ja“, sagt sie mit einem wehmütigen Lächeln. Andrea Janson und ihre Kolleginnen denken schon an die Zeit nach dem Virus: „Wenn diese schwere Zeit durchgestanden ist, dann wollen wir eine große Party feiern!“ So lange halten sich Andrea Janson und ihre Mitarbeiterinnen an die Vorgaben der Regierung: Abstand, so wenig Kontakt wie möglich. „Dann hoffen wir, dass wir alle schnell wieder in einen ‘normalen’ Alltag zurückkehren können!“







 Back